Thursday, June 11, 2015

Heym!!!

Von Klaus Bellin
29.11.2011

Schrecken, Tod, Verfall

Gunnar Decker schreibt das fehlende Buch über den Dichter Georg Heym

1
Zeichnung Heyms im Tagebuch vom 29. 11. 1910
Es sollte ein langer Tag auf Schlittschuhen werden. Er endete gegen 15 Uhr mit einer Tragödie. Ernst Balcke, der Freund, brach ein, und Georg Heym versuchte, ihn zu retten. Beide starben an jenem bitterkalten 16. Januar 1912 unter der Eisdecke des Wannsees. Heym war 24 Jahre alt, seit kurzem Referendar und Verfasser des im Vorjahr bei Rowohlt erschienenen Gedichtbandes »Der Ewige Tag«, von dem Balcke in der Zeitschrift »Aktion« gesagt hat, es seien »wilde, harte, erbarmungslose Töne« in vielen Verszeilen, »Schilderungen des Todes und der Verwesung«. Das »Berliner Tageblatt«, das am 19. Januar über das Unglück berichtete, nannte Heym eine »schöne Begabung«.
Viel später, ein halbes Jahrhundert danach, wenn endlich ernsthaft nach der verstreuten, unterdrückten Hinterlassenschaft des Dichters und seiner expressionistischen Gefährten gefahndet wird, für die Nazis nichts anderes als »entartete Kunst«, wird der junge Paul Raabe in Berlin und Neuruppin nach Spuren Heyms suchen. Er ist für ihn »ein genialer Dichter, der das kommende Unheil des Krieges in seinen Gedichten und Prosastücken auf eine unheimliche Weise voraussah und dessen früher Tod das Schicksal einer jungen Dichtergeneration auf tragische Weise vorwegnahm«. Raabe, seit 1958 im Marbacher Literaturarchiv beschäftigt, ein für Literatur, für Dichtung glühender Mann, machte die Leistungen dieser Poeten erstmals 1960 in seiner großen und legendären Expressionismus-Ausstellung sichtbar. Zur selben Zeit, zwischen 1960 und 1968, edierte sein Kollege Karl Ludwig Schneider bei Heinrich Ellermann in Hamburg eine umfassende kritische Heym-Ausgabe, die einzige, die wir haben, die erste zugleich, die die vorhandenen Lücken schloss, vier Dünndruckbände, die den Blick freigaben auf ein ungeheures, vehement hingeworfenes Werk, in dem vieles Skizze blieb, Fragment, Entwurf. (Der Verlag Zweitausendeins hat diese Bände 2005 noch einmal in einer dicken, einbändigen und erstaunlich preiswerten Broschur zusammengefasst.)
Seit jenen Tagen ist Georg Heym ein Begriff. Seine Strophen stehen in Anthologien und Auswahlbänden, gedruckt einst auch bei Aufbau und Reclam in Leipzig (mit dem schönen Nachwort von Stephan Hermlin), aber zu einer Biografie hat es dieser außerordentliche Dichter seltsamerweise nicht gebracht. Liegt's daran, dass sein Leben so kurz und ereignisarm war? Vielleicht. Auch Gunnar Decker, der zum bevorstehenden hundertsten Todestag im Verlag für Berlin-Brandenburg ein Büchlein über Heym vorlegt, verspricht keine Lebensbeschreibung, sondern einen »biographischen Essay«. Es ist die erste Heym-Publikation nach langer Zeit und die bislang einzige Studie, die eingehend die Voraussetzungen dieser Dichtung erzählt, ohne dem Ehrgeiz zu verfallen, die letzten Dinge im Leben Heyms klären zu wollen.
Er kam aus der Provinz, geboren 1887 im schlesischen Hirschberg. Der Vater Staatsanwalt, ein hysterischer, autoritärer, schließlich depressiver Mann, der einige Zeit über die Vollstreckung von Todesurteilen zu wachen hatte, ein Schuft und Patriarch, der totale Unterordnung verlangte. Der Sohn, schwankend zwischen Mitleid, Furcht, Verachtung und Hass, rebellierte früh, verweigerte sich bürgerlichen Zwängen, revoltierte wie viele seiner Generationsgefährten, wie Becher, Hesse oder Bronnen (der Abscheu und Verzweiflung schon im Titel eines Dramas ausdrückte: »Vatermord«). In Berlin kam Heym aufs Gymnasium. Fiel auch dort durch Renitenz auf. Der Deutschlehrer ein »hölzerner Kerl von Pauker«, »ganz nach dem Sinne meines Vaters«. Ins Tagebuch schrieb Heym 1905: »Wenn ich konsequent wäre, müßte ich mir eigentlich unter diesen Umständen das Leben nehmen. Aber ich glaube an mich. Ich werde auch allein meinen Weg gehen können.« Aber erst einmal musste der widerspenstige Sohn, vom strafenden Vater diktiert, nach Neuruppin. Er nannte es sein »Exil« und nahm sich vor, »als ganz krasser Pessimist aufzutreten«. Die Schule empfand er als »Verderb jeden Genies«.
Gunnar Decker, vertieft in die Tagebücher, Gedichte und Novellen, zeichnet das Bild einer krisengeschüttelten, taumelnden Jugend, ihres Elends, ihrer Qualen, ihrer Wut. In Neuruppin lief Heym dauernd mit missmutiger Miene herum und erklärte der Zimmerwirtin, die seinen Ausdruck monierte, fröhlich könne nur sein, wer in diese Atmosphäre passe. Er, nun ganz ohne ein Wesen, mit dem er sich verständigen konnte, war der Fremde, der einsame Bursche mit dem Aufruhr im Kopf und den Träumen voller Todeswünsche. Später, als er in Würzburg die Universität besuchte, konnte er sich nur als Danton sehen, als »Mann auf der Barrikade«, nie ohne Jakobinermütze. Jetzt hoffte er »wenigstens auf Krieg«. Ein höchst widersprüchlicher Bursche, verwegen, verschlossen, eine »grobe Klotznatur«, wie Decker sagt, wild und rau, süchtig nach Liebe, süchtig nach Ruhm, mal in übersteigerter Stimmung, mal depressiv, ein Rasender, der seine wüsten Katastrophenvisionen in grandiose Gedichte und Prosatexte packte, der Tod und Verwesung beschwor, wieder und wieder, ein Dichter, der im Grauen zu Hause war, in den Finsternissen dieser spießigen, versteinerten Gesellschaft, die ohnmächtig dem Krieg entgegendämmerte. Heym, zeigt uns dieses Buch, hatte Verwandte, nahe und sehr ferne, Männer wie Andreas Gryphius, der dem Horror des Dreißigjährigen Krieges Ausdruck gab, oder van Gogh, Baudelaire und Rimbaud. Decker, der immer wieder ganze Gedichte zitiert, öffnet, während er Heyms Lebensgeschichte erzählt, den Blick für die Dimension dieser Dichtung, für den Geist, aus dem sie kommt, für die Fäden, die sie mit Ideen und Anschauungen früherer Jahrhunderte verbindet, mit der Mystik Jakob Böhmes, dem Sprachmagiker Novalis oder den Surrealisten. Heym, der 1908 nach Berlin zurückkehrte, hier weiter studierte, Referendar in Lichterfelde, dann in Wusterhausen an der Dosse wurde und an Pfempferts Zeitschrift »Die Aktion« mitarbeitete, ist in Deckers kluger, konzentrierter, essayistisch-erzählerischer Studie ein Poet und Prosaist der Endzeit, gezeichnet von Schrecken, Tod und Verfall, der Visionär, der im schmalen, epochalen Werk die nahende Apokalypse vorwegnimmt.
Am 2. Juli 1911 hatte Georg Heym einen Traum. Er stand an einem großen See, ging ein paar Schritte und versank, aber er gab sich nicht auf, schwamm und landete in einer sandigen, sonnigen Bucht. Im zugefrorenen Wannsee, anderthalb Jahre danach, war er verloren.

Gunnar Decker: Georg Heym. »Ich, ein zerrissenes Meer«, Verlag für Berlin-Brandenburg, 176 S., geb., 19,95 €.

Georg Heym: Die Morgue (Auszug)

Die Wärter schleichen auf den Sohlen leise,
Wo durch das Tuch es weiß von Schädeln blinkt.
Wir, Tote, sammeln uns zur letzten Reise
Durch Wüsten weit und Meer und Winterwind ...

Vorbei ist unsre Zeit. Es ist vollbracht.
Wir sind herunter. Seht, wir sind nun tot.
In weißen Augen wohnt uns schon die Nacht,
Wir schauen nimmermehr ein Morgenrot.

Tretet zurück von unserer Majestät.
Befaßt uns nicht, die schon das Land erschaun
Im Winter weit, davor ein Schatten steht,
Des schwarze Schulter ragt im Abendgraun.

Dream of the Death of Georg Heym


this is my spanish tranlation of anders' poem:



desde un segundo
desde un tempano de hielo
saltando al otro
mientras desde un segundo
al otro
un témpano de hielo fluye desde el otro
un segundo fluye desde el otro
un cuerpo celestial fluye desde el otro
él sabe
que entre témpanos de hielo
y segundos
y cuerpos celestiales
la distancia finalmente
se torna infinita
y él
no importa cuán lejos salte
ya sea corto o largo
finalmente se queda corto

 

Thursday, June 4, 2015

Spender about Hölderlin


When I was young I woke gladly in the morning
With the dew I grieved, towards the close of day.
Now, when I rise, I curse the white cascade
That refreshes all roots, and I wish my eyelids
Were shutters held down by the endless weight
Of the mineral earth. How strange it is, that at evening
When prolonged shadows lie down like cut hay
In my mad age, I rejoice, and my spirit sings
Burning intensely in the centre of a cold sky.

STEPHEN SPENDER, U.K., Hölderlin's old Age,
em "Collected Poems", 1955


Cuando era joven despertaba alegremente en la mañana
Con el rocío me lamentaba, hacia el final del día.
Ahora, cuando me levanto, maldigo la cascada blanca
que refresca todas las raíces, y deseo que mis párpados
fueran persianas cerradas por el peso infinito
de la tierra mineral. Cuán extraño es esto, que al tardecer
cuando las sombras prolongadas yacen como heno cortado
en mi edad loca, me deleito, y mi espíritu canta
ardiendo intensamente en el centro del cielo helado.

[traducción José Juan Góngora Cortés] [interesante]



Saturday, May 23, 2015

Auch!!!

“Concierto”, de Gonzalo Rojas







Entre todos escribieron el Libro, Rimbaud
pintó el zumbido de las vocales, ¡ninguno
supo lo que el Cristo
dibujó esa vez en la arena! Lautréamont
aulló largo, Kafka
ardió como una pira con sus papeles: -Lo
que es del fuego al fuego
; Vallejo
no murió, el barranco
estaba lleno de él como el Tao
lleno de luciérnagas; otros
fueron invisibles; Shakespeare
montó el espectáculo con diez mil
mariposas; el que pasó ahora por el jardín hablando
solo, ése era Pound discutiendo un ideograma
con los ángeles, Chaplin
filmando a Nietzsche; de España
vino con noche oscura San Juan
por el éter, Goya,
Picasso
vestido de payaso, Kavafis
de Alejandría; otros durmieron
como Heráclito echados al sol roncando
desde las raíces, Sade, Bataille,
Breton mismo; Swedenborg, Artaud,
Hölderlin saludaron con
tristeza al público antes
del concierto:

¿qué
hizo ahí Celan sangrando
a esa hora
contra los vidrios?





en La reniñez, 2004

Monday, March 30, 2015

V Centenario de su Nacimiento: Santa Teresa de Jesús

Ayer se conmemoraba el "V Centenario"  del nacimiento de Santa Teresa de Jesús.....el 28 de Marzo de 1515 en Gotarrendura (Ávila).
*
Vivo sin vivir en mí (I live without living in myself)  
*
 


Saturday, February 7, 2015

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