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Francisca Stoecklin
(1894-1931)
Inhaltsverzeichnis der
Gedichte:
An die Liebe
Alle suchen sie dich und überall lockst du. Aus tausend Verhüllungen schimmert dein unenträtselt Gesicht. Aber wenigen nur gewährst du Erfüllung, selige Tage, reines Glück. Zärtlich wehn dich die Blumen, die scheuen Gräser, der Schmetterlinge heiterer Flug; wilder der Wind und das ewig sich wandelnde Meer. Wunderbar strahlst du aus den Augen des Menschen, der ein Geliebtes in seinen Armen hält, vom tönenden Sternenhimmel überwölbt. In die zitternde Seele schweben Schauer von Leben und Tod. (S. 70) _____
An ein Mädchen
Bist du Leda, und wartest noch immer auf die Rückkehr des schimmernden Schwanes, der allein dem Schmiegen deiner fließenden Glieder genügt? O, wie lange ist alles Beglückende vergangen! Nur wenn du tanzest, wenn deine Blässe vom Strahl der Mitternachtssonne erleuchtet, durchpulsen Jahrtausende deine Seele, deinen Leib. In deinem Lachen birgt sich der Schrei der Mänade. In dem sich wild lösenden Goldhaar schwebt ein Schimmer von Blut. Dann liebst du das Feuer, die Erde, den Wind - und alle die um dich sind werden empor gehoben in ein Reich von Rausch und Traum, - und du weißt nicht, hält dich das Leben oder der Tod. (S. 66) _____ Der Freund Du bist sehr fern, der Raum, der unsere Blicke trennt ist nicht in einem Tag zu überbrücken. Nur meine Sehnsucht ist so stark, daß sie mich kühn in deine Nähe trägt. Ich sehe dich in deines Turmes Einsamkeit, im kreuzgewölbten Abendzimmer. Wie eine kleine Gottheit dunkler Kulte, thronst du in einem mächtigen Sessel. Vor dir ein weißes Buch, in das du Zahl und Zeichen gräbst. - Die Nacht entsteigt dem Meer mit Graun und Größe. Ein spitzer Sichelmond schwebt auf. Die Wellen schlagen dumpf und machtvoll in den unterhöhlten Fels, darauf dein Turm wie ein Idol der Dauer steht. Die Wellen rauschen, schlagen, schlagen ewig wiederkehrend in den Fels. Dir ist es wie das Tönen eines riesigen Herzens. Und manchmal graut dir, wenn es gar zu wild und fiebernd dröhnt. - Dann wieder fühlst du 's wie das Pochen deines eignen Herzens. Das Meer rauscht dumpf und machtvoll in dem Blut, und übersteigert deines Knabenkörpers zarte Kraft. Du möchtest Tempel bauen, die wie Pyramiden dauern und einen neuen Mythos künden. (S. 63-64) _____ Seele der Liebenden Einmal schon liebte ich dich Und das Meer, das Meer. Doch lichter waren damals Die Seelen, ungetrübt Von dunklen Taten. Es sangen unsere Liebe Strahlend die Sterne, Und das Meer, das Meer. Wieviel hundert Jahre Sind seitdem vergangen, Wieviel Leiden und Tode Und Sterne. Wo blieben Die Seelen so lange? Wir halten uns schweigend Die schauernden Hände. Wir blicken uns tief In die fragenden Augen. Noch singen die Sterne Und das Meer, das Meer. Aber unfaßbar ewig Ist die Vergangenheit Der menschlichen Seele. (S. 35) _____ Die Lichtung Ich denk an dich. Ich denke an die Liebesstunden Die wir im Waldesinnern süß erlebten. Auf feuchtem Laub, vorbei an ernsten Tannen, Buchen, braunen Pilzen. Auf kaum begangenem Wege kamen wir zu einer Lichtung. Der Himmel weitete sich plötzlich leuchtend über uns. Du riefst »Wie schön das ist!« Die Sonne strahlte mild, Umfing mit ihrem Gold die dunklen Bäume Und das helle Grün der Himbeersträucher, Von denen wir die reifen Früchte nahmen, Einander lachend auf die Lippen legten. Dann sanken wir beseligt in das weiche Moos Dein Kopf lehnte an meiner Schulter, sanft, Du hieltest meine Hand. Die alten Tannen rauschten Feierlich. Und aus dem Dickicht Trat ein Reh ... das lange lauschend blieb. Da blickten wir uns tiefer in die Augen, Die das klare Blau des Himmels hatten. Wir sprachen nichts, wir dachten kaum etwas. Wir ahnten nur die Ewigkeit des Augenblicks, Und daß die Seelen sich ganz nahe waren. (S. 36) _____ Die Verlassene klagt Ich liege ausgehöhlt und leer, Man hat mich weggeworfen, Die Erde ist so hart und schwer, Ich habe keine Tränen mehr. Doch einstmals liebte ich dich sehr, Da konnte ich noch weinen, Da glich ich nicht den Steinen. Will keine Sonne scheinen In meine Dunkelheit? Einst war es mir, als rief er, Doch klang es viel zu weit, Und niemand kann mich halten. Jetzt fall ich immer tiefer Aus der Zeit In die Falten Der Unendlichkeit. (S. 22) _____ Geliebter Laß dich wieder, und immer wieder mit meinen Worten umarmen. Laß sie um dich legen, wie du um mich hüllst den Mantel, wenn wir an kühlen Herbstabenden über die Felder gehn, wo sich die Nebel silbern schon senken, und der Wind die Gräser bewegt. Ziellos irrte ich auf der großen Erde, bedrängt und verführt von Dunklem und schillernden Sünden. Da gingst du auf meines Schicksals Sonne. Dein Licht milderte alles Harte und Schwere, verinnigte jede Lebensstunde, alle Wesen und Dinge, Schmerzen und Seligkeit. Denn du einst die Zartheit der Freundin mit des Jünglings beschützender Kraft. Lächelnde Blume bist du und weisende Fackel. - Und dein Mund sagt, daß auch ich Schwache dir schön bin. (S. 62) _____ An den unsterblich Geliebten Meere sind zwischen uns und Länder und Tage. Aber ich weiß, Du wartest auf mich Jetzt und immer. Wissend und gut. Meere sind zwischen uns und Länder und Tage. Ich sehne mich nach dir, Nach deinen sanften Händen, Nach deiner frommen Schönheit, Nach deiner klugen Güte. O ich sehne mich nach dir. Alles, was ich habe, will ich dir schenken, Alles was ich denke, will ich dir denken, Ich will dich lieben in allen Dingen, Meine schönsten Worte will ich dir singen, All meine Schmerzen und Sünden will ich dir weinen. Meiner Seligkeit Sonnen werden dir scheinen. Was ich bin, will ich dir sein. Meine Träume sind voll deiner Zärtlichkeit. Mein Blut singt süß deine Unendlichkeit. Weiße Seele Unsterblich Geliebter. Du blühst sehr wunderbar Im Gestirn meiner Liebe, Im Schauer meiner Ängste, Im Lachen meines Glücks. Du blühst sehr wunderbar Im Gestirn meiner Liebe. (S. 26) _____ Fieber Müd und wirr lieg ich im Fieber. Welt und Leben dämmert fern. Immer träum ich dich, du Lieber. Durch mein Fenster scheint ein Stern. Meine weißen Hände liegen, Tote Tauben, auf der Decke. Und ich sehe Banges biegen Sich zur bösen Dornenhecke. O wie gut war einst das Leben! Tausend Jahre lieg ich tot. Und ich darf euch nicht mehr geben Meiner Liebe einsam Rot. (S. 21) _____ Venus O Tag der Gnade, Sieg des frühlinghaften Glänzens! Da sich das Meer in dich hineingeliebt, die schlankste Welle deine Anmutslinie zog. Und dann ihr kluges Spiel auf ewige Zeit in deine Adern sang, damit du sein Geheimnis großen Liebenden erhältst. Ihr Priesterinnen, die in Venus Zeichen flammt, fühlt oft die Sehnsucht schmerzend nach dem Meere, und in den höchsten Liebesfesten Tod und Todesangst. Du aber Göttin schwebst unsterblich, lächelnd über allem - und mit bestrickender Gebärde hält deine Hand die rosige Muschel des Verschenkens. Himmel und Qualen der Jahrtausende! (S. 42) _____ An den fernen Freund Seitdem du mich verließest, denke ich dich immer. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich dein Bild ... So nah und wirklichschön als ob kein Raum uns, Keine Städte trennten. Bei meiner Kerze sanftem Schimmer Trittst du ganz leise, leise in das Zimmer ... Um deine Lippen schwebt ein Lächeln kindlich mild. Dann leg ich meine Hände zart an deinen Körper. Dann küß ich innig deinen weichen roten Mund. Dann sag ich schweigend dir die letzten Dinge. Dann bin ich ganz in dir und du in mir. Dann kann uns nichts mehr trüben, nichts mehr trennen, Weil wir nur eine Liebe, eine Seele, eine Wolke sind. Zwei Lichter, die in einen Himmel brennen. Ein Baum, ein Stern, der gute Abendwind. Dann sind wir sündenlos und weise. Dann ist kein Raum und keine Zeit. Dann schweben wir so süß erfüllt und leise In Gottes Urunendlichkeit. (S. 38) _____
Andenken
Wenn der Abend so wunderbar blau und dunkel In den Bäumen hängt, Der runde Mond fern und golden über der Erde schwebt, Bist du mir nah. Deine schmalen Hände behüten mit inniger Sorgfalt Die Reliquien unserer Liebe, Zarte Gebilde süßer Erinnerungen. Leise öffnet sich das Fenster. Meine Augen folgen den Sternen, Aber unfaßbar ist alle Ewigkeit, Angefüllt mit Schauer und den Fragen nach Verstorbenen. Dem stillen Weinen ungeborener Kindlein. Von Unendlichkeit verwirrt, Sinke ich an das braune Kreuz des Fensters. Leise bete ich deinen Namen. Ich weiß dich im einsamen Zimmer, Träumend bei einer Kerze. Um deinen Mund ein todnahes Lächeln. (S. 16) _____
Wenn der Mond groß ist
Wenn es Abend wird, fällt mir dein Lächeln ein, Schwarzer Engel, der meine Träume umnachtet. Im Herbst saßen wir oft auf den Bänken am Strom, Stille Kinder, in der abendlichen Sonne. Wenn dann deine Hand zärtlich über mein Haar strich, O wie freute sich da die Seele. Seitdem sind traurige Jahre vergangen, Ängste und Wahnsinn, zerfallene Abende. Wenn der Mond groß ist, betet mein bleicher Schatten In deinem Zimmer verlorene Tänze. (S. 19) _____
Wir wollen uns immer die
Hände halten
Wir wollen uns immer die Hände halten, Damit unsre Seelen nicht in den kalten, Notvollen Nächten einsam erfrieren. Wir wollen uns immer tiefer finden, Damit wir uns nicht wie die armen Blinden Im schwarzen Walde traurig verirren. Wir wollen uns immer die Hände halten, Damit wir uns nicht zu tief in die Falten Des unendlichen Lebens verlieren. (S. 40) _____
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It’s been a long way since Earth was created from cosmic dust plus initial energy from the Big Bang left unleashed especially for us by an un-metaphorically cause that still remains undisclosed, un-theological, & humanly grasped. Despite there’s no consensus about such a spectacular phenomenon; body, mind & intelligence remain as lively fate-hunters of what make sense about us that I have to welcome you, Friend, to the Drama of Human Condition in search of the Artist’s Signature.
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Saturday, August 22, 2015
Francisca Stoecklin (1894-1931) - Liebesgedichte
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